Verfasst von: eltobi | Dezember 22, 2009

Die Regenbogenkrieger aus Chile

So, ich lebe noch. Ich hatte die letzten zwei Wochen einfach keine Lust was zu schreiben. Sorry an alle, die hier reingeschaut haben. Zwei Wochen sind eine ziemlich lange Zeit wenn man auf Reisen ist, von daher hier eine Zusammenfassung der letzten zwei Wochen:

Nachdem ich aus Huerquehue zuerueckkam war ich nocheinmal ein paar Tage bei Feña in Temuco, bevor ich mich in den Bus nach Santiago gesetzt habe. Dort angekommen war die Temperatur dann gleich erstmal gute 10 Grad hoeher als in Temuco. Also mal eben 35 statt 25 Grad Celsius! Aber da die Luftfeuchtigkeit sehr gering war, lies es sich dann doch erstaunlich gut aushalten. Untergebracht war ich bei Marcella und Christian, die ich mal wieder ueber das Greenpeace-Netzwerk kennengelernt habe. Die beiden waren wirklich super und haben mich auf der Couch in ihrem kleinen Appartement untergebracht. Von dort war es auch nicht weit bis zur chilenischen Greenpeace-Zentrale, wo ich am zweiten Tag gleich mal vorbeigeschaut habe um mich mit Sergio, dem Koordinator fuer die Ehrenamtlichen zu treffen. Zuerst gab’s mal eine Fuehrung durch’s Haus und ich war dann doch beeindruckt von den massiven Unterschieden: statt 220 Hauptamtlichen waren es grad mal 22 und das ganze Gebauede war auch nicht sonderlich gross (aber sehr schoen!):

Chilenische Greenpeace-Zentrale

Nach dieser Kennenlernrunde durch’s Haus haben wir dann beschlossen, dass ich beim Jahrestreffen der Ehrenamtlichen (18.-20.12.) einen Vortrag ueber die Arbeitsweise und Organisation von Greenpeace in Deutschland halten koennte, um den Ehrenamtlichen einen Einblick in die –  teilweise doch grossen – Unterschiede zwischen den einzelnen Bueros zu geben. Uiuiui, da spricht man seit 2 Monaten aktiv Spanisch und soll gleich mal einen 1,5-stuendigen Vortrag inklusive Diskussion machen. Aber naja, ohne Herausforderungen waere das Leben ja langweilig!

Nun hatte ich allerdings noch 1,5 Wochen Zeit und ich muss sagen: 1,5 Wochen in Santiago schienen mir dann nicht wirklich reizvoll. Santiago ist zwar durchaus mal interessant, allerdings hat man nach 2-3 Tagen dann auch eigentlich schon alles gesehen. Was bleibt ist ein riesiger Beton-Dschungel mit 6 Millionen Einwohnern. Ausserdem wurde am 12. Dezember in Chile gewaehlt, so dass die gesamte Stadt voller Wahlkampfplakate und Wahlkampfteams war. Wer denkt, dass Wahlen in Deutschland nervig sind, der sollte sich mal die Wahlen hier anschauen. Dagegen ist es in Deutschland echt entspannt: staendig ziehen Trupps aus Wahlhelfern mit Troeten und Fahnen durch die Gegend, machen einen Hoellenlaerm, stehen auf der Strasse und schwenken Fahnen oder verteilen Flugblaetter. Und an wortwoertlich jedem Laternenpfosten und an jeder Plakatleinwand haengen Wahlplakate. Einmal bin ich durch Zufall in eine Grossverantsaltung der Konservativen geraten und war doch beeindruckt: wenn die CDU bei uns solche Wahlpartys mit (ehrlich gesagt ziemlich guten) Beats und Partystimmung machen wuerde, haetten sie vielleicht nicht so ein Spiesser-Image. Aber mein Lieblingsmoment auf besagter Veranstaltung kam, als ploetzlich zwei Jungs mitten in der Menge riesige Regenbogenfahnen entrollten und sie zu schwenken begannen. Da waren die Leute aussenrum ploetzlich wieder klassisch konservativ und haben die Stoerenfriede verscheucht. Bei Homosexualitaet ist dann mal ganz schnell Schluss mit der Offenheit und Toleranz.

Santiago (oben), Aktionstraining (unten)

Aber im Endeffekt ging mir Santiago dann doch recht schnell auf den Keks, so dass ich beschloss, fuer ein paar Tage nach Mendoza zu fahren und mich mit der Verkostung der dortigen Weine zu beschaeftigen. Mehr zu Mendoza gibt’s im naechsten Eintrag.

Nach ein paar Tagen ging’s dann wieder zurueck. Ich musste ja schliesslich noch die Praesentation vorbereiten. Die verlief dann allering auch ohne Probleme. Das Treffen der Ehrenamtlichen war wirklich eine tolle Sachen! Die ersten beiden Tage waren voll mit Seminaren und Workshops waehrend der dritte Tag ganz im Zeichen des Feierns stand und wir den Tag im Park mit Asado und Fussballspielen verbachten. Ein wirklich toller Moment kam am Abend des zweiten Tages, als ein Ritual fuer alle Neuen stattfand. Im Rahmen dieser merh als einstuendigen Zeremonie wurden wir alle mit verbundenen Augen und barfuss ueber Pfade im Park gefuehrt und in Anlehung an eine Legende der Cree zu Regenbogenkriegern ernannt. Jeder musste sich ein Totem waehlen, welches gleichzeitig als sein neuer Name fungiert. Zum Abschluss pflanzten wir alle (auch die „Alten“) eine Kerze in die Erde und damit war die Aufnahme besiegelt.

Ritual

Tja: jetzt gibt’s kein Zurueck mehr, in der Sachen steck ich drin. Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis! Die Zeremonie war voller Energie und ich hatte das Gefuehl, dass es fuer alle unglaublich verbindend und motivierend war.

Asado!

Mittlerweile bin ich wieder in Mendoza angekommen und werde hier wahrscheinlich auch Weihnachten verbringen. Zwar bin ich aufgrund der Temperaturen irgendwie noch nicht so ganz in Weihnachtsstimmung, aber vielleicht kommt es ja noch. Ein bischen abstrus ist es schon, abends Palmen mit Lichterketten zu sehen. Uebrigens sollte man nicht meinen, dass man hier im Supermarkt von Last Christmas verschont bleibt. Fuer dieses Verbrechen am guten Geschmack – und die alljaehrliche Belaestigung von Millionen (gar Milliarden?) Menschen damit – sollte man George Michael lebenslanges Nutzungsverbot auf allen oeffentlichen Toiletten der Welt erteilen. Strafe muss sein!

Drei Regenbogenkrieger nach Feierabend

Soweit. Im naechsten Beitrag dann mehr ueber Mendoza und die absolut spektakulaere Fahrt hierher. Bis bald!

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Responses

  1. hey sag mal, du redest due ganze zeit nur von dir, wo ist denn kendra? oder hab ich da was nicht mitbekommen? ; )

  2. Da hast du in der Tat was verpasst:
    Kendra und ich reisen schon seit einem Monat oder so (seit Bariloche) nicht mehr zusammen. Ich nenn‘ es mal „Inkompabtibilitaet der Reiseplaene“. 🙂

  3. ah ok alles klar = ) deinen block find ich gut. ich war letztes und dieses jahr auch in argentinien und in der nähe von mendoza einen monat… fernweh!


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