Verfasst von: eltobi | Dezember 6, 2009

Uralte Baeume

Hui, das ging ja dann mal schneller als gedacht mit dem Gesundwerden! Der Ruhetag am Freitag hat’s echt gebracht. Bin wieder fit und hab keine Anzeichen mehr von einer Lebensmittelvergiftung. Hatte gestern sogar wieder Bock auf Bier, die Krise ist also definitiv ueberstanden. 😉

Am Samstag hab ich dann beschlossen, doch noch mal einen Tag in den Huerquehue-Nationalpark zu fahren und dort eine Tageswanderung zu machen. Ich wollt einfach wirklich gerne mal mit eigenen Augen Araukarien sehen. Der Park war gut 1,5 Stunden von Pucon entfernt und mit dem Bus ging es eine gewundene Bergstrasse bis auf gut 600 Meter hoch. Oben angekommen waren die umgebenden Berge erstmal wolkenverhangen, so dass nicht wirklich viel zu erkennen waren. Der Haupteil des Parkes liegt jedoch auf einem Hochplateau auf circa 1200 Metern. Es war also erstmal wieder ein Aufstieg angesagt. Der erste Teil des Weges fuehrte durch wunderschoenen valdivianischen Regenwald mit moosbwachsenen Baeumen voller Lianen und vorbei an einem wunderschoenen Wasserfall:

Der hatte auch einen Namen, aber ... aehhh ... naja ... wie's halt so iss.

Auf gut 1000 Metern wurde es dann schon spuerbar kaelter, die Vegetation aenderte sich zusehends und ich naeherte mich langsam aber sicher der Wolkendecke. Von Araukarien allerdings immer noch keine Spur. Was allerdings auch nicht sonderlich verwunderlich war, sie wachsen naemlich erst ab gut 1000 Hoehenmetern. Also erstmal weiter aufgestiegen. Kurz vor dem Beginn des Plateaus bin ich dann auf die Wolkendecke gestossen, so dass sich die Sicht erstmal merklich einschraenkte. Doch keine 5 Minuten spaeter tauchte dann auch die erste Araukarie im Nebel auf. Ein wirklich erhebender Moment! Oben angekommen bot sich mir eine umwerfender Anblick: Eine Landschaft aus mehreren Seen, dazwischen schneebedeckte Berge und ueberall Hochlandurwald voller flechtenbewachsener Araukarien.

Huerquehue-Nationalpark

Um meine Begeisterung fuer Araukarien mal kurz zu erlaeutern: die chilenische Araukarie (nicht zu verwechseln mit der brasilianischen!) ist einer der typischen Baeume der chilensichen Hochlandurwaelder und ein bedeutendes kulturelles Symbol der Mapuche. Die Araukarien wachsen extrem langsam – im Schnitt 2 cm pro Jahr – und werden bis zu 50 Meter hoch. Sie erreichen meist ein Alter von 1300-2000 Jahren, obwohl es auch wesentlich aeltere Exemplare gibt. Das hohe Alter zeigt sich deutlich an dem oft starken Flechtenbewuchs. Flechten wachsen naemlich ebenfalls extrem langsam. Dennoch gibt es Araukarien, deren Stamm komplett mit Flechten bedeckt ist. Auf dem folgenden Bild seht ihr mich mit einer Araukarie, die Feña auf circa 1500 Jahre geschaetzt hat:

"Wo ist Tobi?" Tip: ein Klick auf das Bild macht es groesser.

Ich hab dann den ganzen Tag mit Wanderungen ueber schmale Pfade durch diese herrlichen Waelder verbracht, und musste mich am Ende dann doch sputen, um den letzten Bus zurueck nach Pucon zu bekommen. Dabei bin ich dann in den tiefergelgenen Waeldern noch fast auf dieses Prachtexemplar gelatscht:

Es scheint sich um eine von drei in Chile heimischen Arten der Gattung "Grammostola" zu handeln. Danke Heiner!!!

Nach einer augiebigen Begutachtung und einigen Fotos hatte ich mich dann echt zu beeilen und hab den Bus dann dummerweise trotzdem verpasst. Schoene Scheisse! Mit dem guten alten „Daumentaxi“ ging’s dann aber doch recht schnell, denn nach 15 Minuten kam ein deutsches Paerchen, die mich freundlicherweise bis nach Pucon mitgenommen haben. Nochmal vielen Dank an dieser Stelle!

Kurz vor dem Ausgang machten mich dann noch die Geraeusche von Kettensaegen im benachbarten (nicht zum Park gehoerenden) Wald darauf aufmerksam, dass auch diese letzten Paradiese der Erde zunehmend bedroht sind. In Chile etwa steht das Bergbaurecht ueber dem Umweltrecht! Konkret: findet man hier Rohstoffe wird das ganze Gebiet platt gemacht…

Zur Zeit bin ich wieder in Temuco bei Feña und morgen geht’s dann nach Santiago. Den naechsten Bericht gibt’s dann aus der Grossstadt! In der Zwischenzeit: Morgen beginnt die Klimakonferenz in Kopenhagen! Neuigkeiten und Berichte gibts unter diesem Link.

Und wer’s noch nicht wusste: Es gibt immer noch einen Haufen Studenten, die sich fuer mehr Demokratie in der Bildung einsetzen. [Update: Eine Uebersichtskarte gibt’s hier]. Tut mir den Gefallen und unterstuetzt die Leute wo ihr nur koennt! Weitersagen waere das mindeste…

Zum Abschluss hier noch ein paar Fotos aus Huerquehue:

Wald auf dem Plateau

Wald im Tal (hier war die Spinne)

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Responses

  1. Hey,ohne Mütze hätte man dich fast nicht erkannt…

    Wirklich beeindruckend diese Wälder

  2. Hallo Tobi!
    Schön das es Dir wieder besser geht!!
    Tolle Spinne auf dem Foto,handelt sich bestimmt um eine Vogelspinne.
    Gruß Schätzchen


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