Verfasst von: eltobi | November 8, 2009

Torres del Paine

Ich weis ja, dass ich an dieser Stelle in letzter Zeit oefters mal ziemlich euphorisch geklungen habe und haeufig auf Ausdruecke wie „wunderschoen“, „atemberaubend“ oder „unglaublich“ zurueckgegriffen habe. Aber wenn die letzten Wochen ein Vorspiel gewesen waeren, dann waren die letzten fuenf Tage der beste Sex meines Lebens! Doch genug metaphorisiert, kommen wir zur Sache:

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Das Paine-Massiv von Suedosten gesehen

1. Tag

Nachdem wir morgens um halb acht vom Hostel aus mit dem Bus losgefahren sind, waren wir gegen Elf in Park. Der erste Blick auf das Paine-Massiv war wieder einer von diesen Gaensehautmomenten. Entstanden ist es durch Vulkanaktivitaeten und tektonische Verschiebungen. Rundherum ist eine Huegellandschaft, die in etwa so aussieht, wie man sich Schottland vorstellt (war noch nie da, von daher kann ich das nicht beurteilen). Und am Horizont sieht man die Anden, von denen das Paine-Massiv vollkommen unabhaengig ist. Wir sind dann mit Hilfe eines Katamarans zusammen mit haufenweise anderen Trekkern zu einer der zahlreichen Herbergen im Park und haben uns dann auf den Weg gemacht. Es ging circa 14 Kilometer bergauf und bergab bis zum Grey-Gletscher, einem der zahlreichen Gletscher im Park. Das Wetter war zuerst super, im Laufe des nachmittags fing es allerdings an zu regnen. Als wir im Camp ankamen fing es dann an zu schneien. Im Park gibt’s haufenweise kostenlose Campingplaetze, so dass man fuer die Uebernachtungen nicht zahlen muss (die Herbergen sind erstens schweineteuer und zweitens sind wir ja keine Wischi-Waschi-Wanderer). Dort gibt es dann zwar nur einen Unterstand und ein lumpsklo, aber mehr brauchts ja auch nicht. Abendessen: Reis mit Tuetensuppe (Spinat).

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Grey-Gletscher vom Camp aus gesehen

2. Tag

Aufgewacht und ueber fuenf Zentimeter Schnee gefreut. Die Nacht war verdammt kalt und ich hab echt nicht viel geschlafen. Nach einem kurzen Fruehstueck sind wir dann auch gleich losgelatscht und erstmal die Strecke vom Vortag wieder zurueckund dann nochmal fuenf Kilometer weiter bis zum naechsten Camp. Es hat eigentlich den ganzen Tag ueber geschneit, auch wenn zwischendurch mal kurz die Sonne rausgeguckt hat. Im Camp haben wir dann viele der Leute wieder getroffen, die auch die Nacht davor mit uns verbracht haben und so langsam hat sich so eine Art Familiengefuehl eingestellt. Ein Trip wie dieser schweisst wirklich zusammen. Abendessen: Reis mit Tuetensuppe (Gemuese).

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Nordic-Walking-Witze fuehren zum Ausschluss aus diesem Blog. 😉

3. Tag

Die Nacht war mal wieder ziemlich kalt. Aufgewacht sind wir dafuer zu strahlendem Sonnenschein und festgestellt, dass der Schnee in unserer Hoehe wieder komplett weggeschmolzen war. Das Wetter hier ist vieles, aber nicht vorhersagbar. Liegt unter anderem an der suedlichen Lage wodurch sich die Winde von Atlantik und Pazifik ungehindert treffen. An diesem Tag haben wir versucht ins French Valley aufzusteigen. Das ist ein hochgelegenes Tal mitten im Massiv. Leider haben wir’s nicht bis ganz nach oben geschafft, da dort oben doch noch sehr viel Schnee lag und wir irgendwann beschlossen haben, dass es zu gefaehrlich waere weiterzugehen. Beim Abstieg haben wir dafuer aber noch am Gletscher auf der anderen Seite des Tals eine dicke Lawine abgehen sehen. Das war sehr beeindruckend! Sind dann noch zwei Stunden weitergelaufen bis zu einer Herberge und haben dann auf dem dazugehoerigen Campingplatz uebernachtet. Das war zwar kostenpflichtig, hat aber den Weg am naechsten Tag verkuerzt und ausserdem durfte man in der Herberge rumhaengen wo es einen Kamin gab. Haben dann mit der ganzen „Campground-Crew“ dort den Abend mit Kartenspielen verbracht und danach muede aber warm in den Schlafsack. Abendessen: Reis mit Tuetensuppe (Tomate).

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Maerchenwald

4. Tag

Die Nacht war die erste (und einzige) in der ich nicht gefroren hab. Der vierte Tag war mit Abstand der anstrengendste. Wir sind fast den ganzen Tag bergauf durch eine atemberaubende Landschaft gelaufen und dann am Ende noch vom Campingplatz aus zu den Torres del Paine aufgestiegen (der Aufstieg war die Hoelle). Das sind die drei Felsspitzen, die dem Park seinen Namen geben. Wirklich beeindruckend! Und man hat das tolle Gefuehl, es geschafft zu haben. Das Wetter war hervorragend und sogar ausnahmsweise mal konstant. Abends haben Jeremy, Evan und ich noch beschlossen, am naechsten morgen um halb fuenf aufzustehen und nochmal zu den Torres aufzusteigen. Wenn die Sonne aufgeht und die Sicht klar ist, leuchten die Torres naemlich rot! Abendessen: Reis mit Tuetensuppe (Mais).

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Geschafft!

5. Tag

Hab die ganze Nacht gefroren und war ziemlich froh als es halb fuenf war. Der Aufstieg war nicht annaehernd so anstrengend wie am Vortag. Oben angekommen haben wir es uns auf einer Isomatte gemuetlich gemacht und fast zwei Stunden dort gesessen, heisses Wasser getrunken und die Zeit einfach genossen. Lange nicht mehr so viel gelacht. Gegen sieben sind wir dann wieder zurueck ins Camp und haben nach dem Fuehstueck die Sachen gepackt und uns an den Abstieg ins Tal gemacht. Auf dem Weg kamen uns die ganzen Tagestouristen entgegen und man kann sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, wenn sie alle mit ihrem leichten Gepaeck an einem vorbeistapfen. Es geht naemlich von 200 auf gut 1200 Meter rauf. Unten angekommen war es erst einmal ziemlich seltsam, ploetzlich in einem super noblen Hotel zu sitzen (der Bus fuhr von dort). Nach fuenf Tagen ohne Dusche ist man naemlich recht dreckig und riecht nicht grade vornehm. Wir haben uns dort dann erstmal alle zusammen ein Bier genehmigt. Selten so ein leckeres getrunken. Nachmittags um halb drei ging’s dann zurueck nach Puerto Natales und abends sind wir dann alle zusammen eine wohlverdiente Pizza essen und danach in die Bar gegangen. Der Abend war ziemlich lang und wir alle ziemlich betrunken aber extrem gluecklich.

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Wir feiern uns selbst!

Am Montagabend werden wir die Faehre Richtung Norden besteigen und dann erstmal vier Tage dort verbringen. Das wird bestimmt grossartig. Es ist so ziemlich der einzige (bezahlbare) Weg diesen Teil der Welt (Westkueste Patagoniens) zu sehen. Gegen Ende der Woche gibt’s dann hier den Bericht. Bis dato euch allen alles Gute und bis bald!

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Responses

  1. Kalt? Glaube ich dir nicht 🙂

  2. Hey Tobi, ist das schön, das alles zu lesen. Ich bin da vor einigen Jahren auch rumgestapft, allerdings hatten wir keinen Schnee, sondern bei uns waren südchilenische (!!!) Regengüsse das schlimmste. Machs weiter so gut und genieß das alles!!
    Grüß mir Chile lindo,
    Cathrin


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